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Nachrichten 1. Halbjahr 2008

Wir
waren dabei
Angehörigenseminar am 21.06.2008 in der Therapieeinrichtung
Aus der Einrichtung: Als stationäre Jugendhilfeeinrichtung für Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 22 Jahren, arbeiten wir seit 1996 im Bereich der Jugend- und Kinderrehabilitation. Unsere Leitidee: Die Entstehung von Drogenproblemen und deren Auswirkung erfasst alle Lebensbereiche, also müssen auch alle Lebensbereiche in die Rehabilitation mit einbezogen werden. Mehr unter: www.balance-seilershof.de
Das Thema des Elterntages: Hilfe zur Selbsthilfe
Aus der Einladung: …Wir alle streben eine gute Entwicklung Ihrer
Tochter/Ihres Sohnes an und freuen uns darüber, dass Sie reges Interesse
am Gelingen des Rehabilitationsprozesses Ihres Kindes wie aber auch an
unseren inhaltlichen und organisatorischen Abläufen haben. .....
Nun fragen wir Sie: Wie geht es aber eigentlich Ihnen? Was tun Sie für
sich? Wie haben Sie die Zeit des problematischen Drogenkonsums und Verhaltens
Ihrer Tochter/Ihres Sohnes verkraftet? Woher nehmen Sie jetzt die Energie,
um Ihre Tochter/Sohn beim Veränderungsprozess zu begleiten? – Vielleicht
haben Sie sich diese Fragen noch gar nicht gestellt, weil Sie noch zu
sehr mit der Entwicklung Ihrer Tochter/Ihres Sohnes beschäftigt
sind. Gerade deshalb wollen wir mit Ihnen darüber reden und haben
dazu Eltern aus den Elternkreisen drogenabhängiger Jugendlicher
Berlin-Brandenburg e.V. eingeladen, die den gleichen Weg wie Sie gegangen
sind und auch erkannt haben, dass man auch als (betroffene) Eltern ein
Recht auf Wohlergehen und Zufriedenheit hat…
Vier Eltern aus den Elternkreisen, 25 Angehörige – überwiegend
Eltern – und ein Therapeut bildeten am Nachmittag die Runde, die
sich mit den Gedanken aus der Einladung beschäftigten. Nach einer
Vorstellungsrunde und der Antwort auf die Fragen „Was beschäftigt
Sie heute am meisten? Was ist zurzeit Ihre größte Sorge? Wo
können Sie einen Ausgleich finden?“ zog sich das Thema „Co-Abhängigkeit“ wie
ein roter Faden durch die Gespräche. Was kann ich an meinem Verhalten ändern?
Schaffe ich das? Wann bin ich in dieser Co-Abhängigkeit? Ich möchte
so gern helfen – aber wie? Aufgrund unserer jahrelangen Elternerfahrung
war es uns möglich, auf viele Fragen zu antworten, jedoch immer
mit dem Hinweis, dass das keine Ratschläge sind. Es handelt sich
um gesammelte Erfahrungen, aus denen jeder für sich und die eigene
Situation die Möglichkeiten des Umsetzens herausnehmen kann. Es
wurde deutlich, dass sowohl bei den süchtigen Kindern als auch in
der Familie Veränderungen anstehen müssen, um nicht wieder
in schon bekannte Verhaltensweisen zu geraten. Eine Bemerkung aus dem
Kreis traf den Kern: Du hast mein Herz, jedoch nicht meinen Kopf!
Nach einem von den Hausbewohnern bereiteten leckeren Abendessen verabschiedeten
wir uns mit dem Gefühl, viel gegeben und noch mehr mitgenommen zu
haben.
Eine gute Nachricht aus dem Bereich Schule: Wir werden
in diesem Jahr in unserer Oberschule "An der Polz" - anerkannte
Privatschule – voraussichtlich vier Schüler mit Abschluss "Fachoberschulreife
mit Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe, 13 Schüler
mit Abschluss "Berufsbildungsreife" sowie in unserer Jugendberufshilfe
(ebenfalls auf unserem Gelände) einen Abschluss als Beikoch erreichen;
der Jugendliche wird in einem Gourmetrestaurant in Berlin arbeiten.
Wir waren dabei
Landhaus Oppenheim - Angehörigen Seminar 12. und 13.06.2008
Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V. Zum Heckeshorn 38 14109 Steglitz-Zehlendorf
Telefon: 030-367 52 50 – Fax 030-367 52 533 Internet: www.tannenhof.de
Zu der Einrichtung: - 23 Plätze für drogen-, alkohol- und medikamentenabhängige Frauen und Männer stehen zur Verfügung. Die Therapie ist nach dem Prinzip der Selbstversorgung "Hilfe zur Selbsthilfe" organisiert. Die drei tragenden Elemente sind die gemeinsame Bewältigung aller Arbeiten in Haus und Garten, Gruppentherapie und die gemeinsame Freizeitgestaltung mit künstlerisch-kreativen Aktivitäten. Ferner bietet das Landhaus eine Kurzzeit- bzw. Auffangtherapie an. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, in eine Nachsorgewohnung zu ziehen und/oder an einem ambulanten Therapieprogramm teilzunehmen. Perspektivisch können Schulabschlüsse (Tannenhofschule) und Ausbildungen (diverse eigene Betriebe) absolviert werden (siehe jeweils dort).
Es ist eine über 10 Jahre lange Tradition, dass die Elternkreise Berlin-Brandenburg die Angehörigenseminare in dieser Therapieeinrichtung begleiten. Was heißt das? Die – ich nenne sie Hausbewohner – begegnen ihren Angehörigen nach einer Karenzzeit in der Einrichtung. Die Hausbewohner sind nunmehr nüchtern und haben eine therapeutische Begleitung. Den Angehörigen stehen wir zur Seite. Diese Treffen – in denen offene Dinge versucht werden abzuklären – sind voller Emotionen – auch für uns etwas mehr erfahrene Eltern. Immer wieder müssen wir uns vor Augen führen, dass Sucht eine lebenslange Erkrankung ist.
Wir begleiteten an zwei Tagen die Angehörigen aus vier Bezugsgruppen. Der Nachmittag war jeweils ganz den Eltern, Geschwistern, Partnern gewidmet. Am ersten Tag wurde intensiv über die Rolle der Geschwister diskutiert, die oftmals in einer von Sucht belasteten Familie zu kurz kommen, meist überfordert sind, selbst in ihrer eigenen Entwicklung durch diese Situation stark beeinträchtigt werden. Am zweiten Tag stand das Thema Alkohol im Vordergrund – z.B. wie geht die Familie damit um, wenn ihr süchtiger Angehöriger während der Therapiezeit zu Besuch kommt und auch die Situation nach der Therapie. Als Problem stellten sich für einige Angehörige die Familienfeiern dar. Welche Lösungen gibt es da? Wie stabil ist der süchtige Angehörige gegenüber den verlockenden Angeboten aus der Umwelt? Es verstärkte sich jedoch die Überzeugung, dass Alkohol und die damit verbundenen großen Risiken eines Rückfalles von vielen unterschätzt werden.
Für viele Angehörige waren diese Gespräche, in denen sie in der Gemeinschaft anderer betroffener Eltern sich austauschen konnten, erstmalig. Sie stellten dabei fest, dass sie nicht allein betroffen sind. Vielleicht können diese Begegnungen einen Anstoß geben, die Hilfsmöglichkeiten, die ihnen die Elternkreise bieten, künftig in Anspruch zu nehmen.
Nachruf
Am 04. Juni 2008 verstarb plötzlich und unerwartet Frau
Karin Martin.
Fast 30 Jahre war sie für viele Menschen eine unermüdliche
und treue Helferin.
Am 26. August 2006 wurde ihr für ihre Verdienste die paritätische
Ehrennadel verliehen.
In Erinnerung an ihr engagiertes Leben für die gute Sache und in Dankbarkeit gedenken viele Freunde und Angehörige der Elternkreise drogenabhängiger Jugendlicher Landesverband Berlin-Brandenburg.
Wir waren dabei
Fachtagung – Psychosoziale Betreuung der Substitution
- 23.05.08
Veranstalter: Notdienst für Suchtmittelgefährdete und –abhängige
Berlin e.V. sowie Verband für integrative soziale und therapeutische
Arbeit – vista gGmbH -
Die Substitution bleibt ein aktuelles Thema als wichtiger Baustein im Drogenhilfesystem. Vor Jahren noch angezweifelt, doch aufgrund der über Jahre gewonnenen Erfahrungen stellt sie für viele Süchtige eine positive Unterstützung auf ihrem Lebensweg dar. Einen unerlässlichen Stellenwert bei dieser Therapieform nimmt die psychosoziale Betreuung ein. Diese Tagung zeigte wieder deutlich, dass sowohl die medizinische als auch die psychosoziale Betreuung Hand in Hand arbeiten müssen.
Viele Eltern bestätigen, dass ihre süchtigen Angehörigen mit diesem Hilfsangebot erst einmal wieder Planungen für ihren weiteren Lebensweg umsetzen konnten, z.B. für ihre Familien die Verantwortung übernehmen, einem Beruf nachgehen, Schulabschlüsse nachholen, ein Selbstwertgefühl entwickeln u.m.
Die Veranstaltung zeigte u.a., dass durch das immer weiter entwickelte
dichtmaschige Kontrollsystem die „Wildwüchse“ drastisch
minimiert werden. Deutlich wurde auch, dass wir uns auch über diesen
Baustein im Hilfesystem ständig informieren müssen.
Mehr unter www.drogennotdienst.org und www.vistaberlin.de
Wir waren dabei
Einsichten in die Kurzzeittherapie Haus Collignon – 22.05.08
Das Netzwerk der Suchthilfe - Drogentherapie-Zentrum Berlin e.V. - www.drogentherapie-zentrum.de -
Das Drogentherapie-Zentrum Berlin e.V. versteht sich als Netzwerk der Suchthilfe, d.h. die im Verbund arbeitenden Einrichtungen ergänzen sich gegenseitig und gewährleisten zügige und unbürokratische Übergänge zwischen den einzelnen Behandlungsbausteinen vom Entzug über verschiedene Therapieangebote bis zur Nachsorge und der beruflichen Eingliederung.
Wir – 3 Mütter aus den Elternkreisen - hatten Gelegenheit, das Kurzzeittherapieangebot im Haus Collignon am Großen Wannsee kennen zu lernen. Die stationäre Phase umfasst 92 Tage, an der sich eine ambulante Therapie von ca. 6 bis 18 Monaten anschließt. Ein Angebot für Menschen ab 18 Jahre, die ein Leben ohne Suchtmittel wünschen, wenn z.B. eine Langzeittherapie zu lang erscheint oder wenn eine ambulante Therapie zu wenig Sicherheit bietet. Neben Gruppen- und Einzelgesprächen finden Arbeits- und Berufsförderungsprogramme, Körper-, Pferde-, Kreativtherapien u.m. statt.
Wir waren von der Vielfalt der Angebote sehr angetan und können
nur hoffen, dass unsere süchtigen Angehörigen das auch so sehen
und in Anspruch nehmen. - Herzlichen Dank an die vielen Helferinnen und
Helfer, die an diesem Tag für unser Wohlbefinden sorgten.
Näheres: Kurzzeittherapie Haus Collignon des Drogentherapie-Zentrums
Berlin e.V.,
Ansprechpartnerin: Dipl. Soz. Päd. Jutta Niesbach, Fon 030/806 88
410/ 806 88 420, Fax 030/806 88 411 – Mail j.niesbach@dtz-berlin.de
| Deutsche Hauptstelle
für Suchtfragen (DHS) e.V. |
Wir waren dabei
Sucht-Selbsthilfekonferenz vom 25. bis 27. April 2008 in Erkner
bei Berlin
Thema "Von der Konkurrenz zur Kooperation - Sucht-Selbsthilfe auf
dem Weg in die Zukunft".
Ziel: Die praktische und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der
Selbsthilfe und der professionellen Hilfe.
Die ca. 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus allen Teilen Deutschlands, die Elternkreise – www.bvek.org - waren mit 15 Personen vertreten. Zwischen den vielfältigen Vortrags- und Arbeitsgruppenangeboten war Gelegenheit zu Gesprächen. Es ist immer wieder bereichernd, sich mit Angehörigen aus anderen Teilen unseres Landes auszutauschen und von deren Erfahrungen zu lernen.
Das Thema „Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen mit Doppeldiagnose – Grenzen der freiwilligen Arbeit“ war eines der Angebote. Diese Problematik finden wir in fast jedem unserer Elternkreise vor. Die Leitung hatten Frau Renate Dorsch – Elternkreis Heilbronn – www.elternkreis-heilbronn.de – und Herr Roberto D’Amelio – Uniklinikum Saarland, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Geb. 90), Homburg – www.uniklinikum-saarland.de –. 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – zum Teil aus dem professionellen Bereich, zum Teil aus der Selbsthilfe – trugen aus dem Reichtum ihrer Erfahrungen zu dem Thema bei. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Doppeldiagnose? Welche Schwierigkeiten bei der Suche nach Hilfe sind damit verbunden? In welch hohem Maße sind Familie und Umfeld belastet? Und noch viele Fragen mehr wurden angesprochen sowie praktische Hilfen aufgezeigt. Es zeigte sich, dass die Selbsthilfe hier noch stärker vertreten sein müsste, denn sowohl psychische Erkrankungen als auch Suchterkrankungen sind als gleichwichtig zu betrachten. Zurzeit gibt es auf beiden Seiten Verbände, die jeweils nur ein Krankheitsbild zum Schwerpunkt haben, so dass Hilfesuchende hin- und herpendeln. Die gleiche Situation besteht im professionellen Bereich. Die Erkenntnis ist da, jedoch die Wege für ganzheitlichen Hilfen noch sehr lang.
Wir
waren dabei
Eröffnung des Töpfer-Cafés Schmerwitz am
12.04.2008:
Erleben Sie es selbst! Entspannen – Genießen - Handwerk
erleben
Zehn Eltern aus den Elternkreisen Berlin-Brandenburg folgten diesem Angebot. In Fahrgemeinschaften ging es nach Schmerwitz zu der Therapieeinrichtung der Selbsthilfegemeinschaft SCARABÄUS Hoher Fläming e.V. (www.scarabaeus-schmerwitz.de)
In einer schönen und weiten Landschaft des Hohen Fläming
stehen 30 Plätze für Menschen zur Verfügung, die sich
aufgrund ihrer Sucht in einer akuten sozialen Notlage befinden. Hier
wird konkrete Lebenshilfe geleistet. Sowohl drogen-, als auch alkohol-
und medikamentenabhängige Menschen sind willkommen. Voraussetzung
ist der Wunsch, ein Leben ohne Suchtmittel zu erlernen.
Die Aktivitäten werden von den Hausbewohnern – alles ehemalige
Abhängige - selbst durchgeführt. Jeder hilft in den angebotenen
Arbeitsbereichen mit und erwirbt und erprobt so Fähigkeiten für
ein späteres Berufsleben. Zurzeit sind das die Hauswirtschaft, die
Werkstätten Tischlerei und Schlosserei, der Gemüse- und Blumengarten,
die Küche und die Backstube sowie die Angebote in den Zweckbetrieben
Haus & Hofservice und Töpferei, in der ausgebildet und fachlich
qualifiziert wird.
Die Eltern besichtigten die Anlagen und Gebäude, erhielten einen umfassenden Einblick in das Handwerk der Töpferei und konnten dabei viele Gespräche mit den jetzt nüchternen Bewohnern führen. Diese sorgten auch vorzüglich für das leibliche Wohl der Gäste. Es tat gut zu sehen, dass diese Menschen jetzt ihre Kräfte nutzen, um sie für ein selbstbestimmtes Leben ohne Suchtmittel einzusetzen. Unsere besten Wünsche dafür von uns.
Wir
waren dabei
20 Jahre Tannenhof-Schule für ehemalige Suchtkranke – so lautete die Einladung für den 04. März 2008 – Ort der Feierlichkeiten: „Rotes Rathaus“.
Anwesend waren sowohl der regierende Bürgermeister als auch viele
namhafte Ehrengäste sowie Vertreter aus dem Drogenhilfebereich,
so dass die Pausen für interessante Gespräche genutzt werden
konnten.
Einer der Höhepunkte war für uns Eltern die Würdigung
der Prüfungsklasse 2007.
Das beste Argument der Schule ist ihr Erfolg, denn im Schnitt schaffen 80 Prozent der Schüler die Prüfungen. Sie ist eine staatlich anerkannte Schule und Filiale der Elisabeth- Rotten- Schule in Berlin-Tempelhof. Platz ist für 40 ehemalige Suchtkranke bzw. aus besonders belasteten sozialen Situationen kommende Jugendliche.
Neben dieser Möglichkeit bietet der Tannenhof Berlin-Brandenburg
e.V. mit seinen Einrichtungen z.B. Möglichkeiten für eine Berufsausbildung.
Mehr unter www.tannenhof.de
So gibt es an vielen Stellen von Berlin und Umgebung Hilfemöglichkeiten,
das ist beruhigend für uns Eltern, doch ergreifen und wahrnehmen
müssen unsere Töchter und Söhne diese Angebote selbst. Dorit
Lehmann
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